Chronik KGV „Elsteraue 95" e.V. seit 1948






1.Vom schweren Anfang

Der eigentliche Ursprung unserer Anlage lag im Bedürfnis der Menschen, in der damaligen schweren Nachkriegszeit ihr „täglich Brot" aufzubessern. Jeder Quadratmeter Land wurde genutzt und jeder Grashalm für Futterzwecke verwendet. Aus diesem Grund wurde das ehemalige Gelände des Reichsarbeitsdienstes am Elsterufer zur Nutzung als Grabeland freigegeben. Jeder, der wollte, nahm sich ein beliebiges Stück, jede geometrische Form war vertreten, Pfade schlängelten sich durch das Gelände, kein Zaun schützte das Angebaute, und oft war der mühsam aufgezogene Kohlkopf über Nacht verschwunden.


So konnte es einfach nicht weitergehen! Da damals kein neuer Verein gegründet werden konnte, schlossen sich die Nutzer dank der Initiative des Gartenfreundes Erler im Jahre 1949 der Sparte „EV14" an. Gartenbauinspektor Groh entwarf einen Grundriss- und Bebauungsplan. Das Gelände wurde parzelliert und vergeben. Es begann die eigentliche Bearbeitung und Urbarmachung des Geländes. Bäume und Büsche mussten entfernt werden, viele Pferdefuhrwerke mit Erde wurden zur Auffüllung herangebracht, Beton- und Zementblöcke, die in Massen herumlagen, mussten entsorgt werden, die ehemalige Kampfbahn wurde rigolt. Ein massiver Luftschutzbunker blieb zunächst für später übrig.


Unermüdlich waren alle Gartenfreunde dabei, eine ordentliche Anlage zu schaffen. Als vorläufiges Spartenheim wurde ein ramponierter Schuppen der ehemaligen Marine-Hitlerjugend ausgebaut. Den größten Teil dieses Schuppens hatte sich Familie Matuschak schon als Wohnung mit viel Mühe eingerichtet. Das Gelände wurde notdürftig eingezäunt. Bis zum Jahre 1954 waren die wesentlichen Arbeiten geschafft.


Das Hochwasser 1954 machte auch vor unseren Gärten an der Elster nicht halt. Die gesamte Anlage wurde überschwemmt, in manchen Gärten bis zum Laubendach. Die Schotterstrasse zur Anlage war unterspült und stand einen halben Meter unter Wasser.


Zum Glück gab es eine großzügige Entschädigung. Bis zum Jahre 1954 wurde mit der Gartensparte „EV 14" alles zusammen gemacht - Gartenfeste, Veranstaltungen, Versammlungen. Nur mit den Finanzen klappt es nicht.


Dank der Initiative des Gartenfreundes Willi Nagel wurden wir dann 1954 eine eigenständige Anlage.


Der bisherige Obmann Gartenfreund Erler wurde 1. Vorsitzender.

2.Die Aufbauphase

Jetzt konnte es zügig vorangehen. Zunächst wurde mit dem Bau eines Schuppens begonnen. Ab 1956 wurden Gartenfreund Göbel Vorsitzender.
Eine Toilette wurde geschaffen.
In der Kantine verkaufte Familie Matuschak nach Feierabend Getränke. Das war aber letztlich keine Lösung, ein Versammlungsraum musste her. Die Zeit wurde genutzt, um die Kantine herzurichten und einen Verkaufs- und Lagerraum einzurichten.
Die Bewirtschaftung übernahm Gartenfreund Zasworka. In diesem Raum konnten auch Versammlungen und Fachvorträge abgehalten werden. Für gesellige Veranstaltungen wurde eine Tanzfläche geschaffen.


1957 wurde dann der Wasseranschluss im Garten von Frau Sprenger installiert. Es durfte aber nur für Trinkwasser genutzt werden.
In viele Gärten entstanden die ersten schmucken Lauben.


1958 übernahm Gartenfreund Polleichter der Vorsitz.
Bewilligte Geräte für den Kinderspielplatz konnten 1960 aufgebaut werden. In dieser Zeit erfolgte auch der Bau des Elsterdammes als Hochwasserschutz, einige Gärten wurden dadurch kleiner, einige gingen verlustig.
Eine Neuvermessung der Gärten in der Anlage II wurde notwendig, der noch vorhandene Bunker im Garten des Gartenfreundes Laube verschwand endgültig.
Die ersten Stromzuleitungen wurden in Eigeninitiative verlegt.
Gartenfreund Zasworka kündigte altershalber die Kantinenbewirtschaftung. Jetzt erfolgte ein neuer Umbau. Trennwände verschwanden, eine Küche mit Unterkellerung und ein Vorbau an der Eingangstür entstanden, und innen wurde vertäfelt.


1962 war der Umbau fertig, und Gartenfreund Sportak übernahm die Bewirtschaftung. Er schied aber bald aus, und Gartenfreund Liebetrau, Werner mit Frau halfen aus.


1964 wurde dann Gartenfreund Liebetrau, Werner als Vorsitzender gewählt.


1965 erfolgte die Installation der Wasserleitung bis ins Spartenheim und Frau Annerose Matuschak übernahm die Bewirtschaftung. 1967 wurde die Tanzdiele errichtet.
Da Gartenfreund Liebetrau, Werner anderweitig stark eingebunden war, übernahm Gartenfreund Schimpf den Vorsitz.
In dieser Zeit wurde mit dem Bau des Wasserwerkes begonnen, welches 1969 fertiggestellt wurde. Für uns bedeutete das eine Übernahme der Rechtsträgerschaft. Das ganze Gelände gehörte zur Wasserschutzzone. Es durften keine Tiere gehalten und kein Dünger und Kalk ausgebracht werden.
Positiv war für uns die Asphaltierung der Zufahrtsstraße bis an die Eingänge.


1970 erfolgte zum Gartenfest die Einweihung der Tanzdiele


1972 übernahm Gartenfreund Liebetrau, Werner den Vorsitz.
Eine einheitliche Nummerierung der Gärten wurde vorgenommen, Pachtverträge wurden ausgestellt. Der Schuppen wurde als Kultur- und Versammlungsraum hergerichtet und für die Geräte eine Überdachung gebaut.


1974 wurde mit der Schaffung von 15 neuen Gärten auf der Apfelwiese begonnen und noch im selben Jahr übergeben.


Überhaupt war 1974 ein Jahr der regen Bautätigkeit. Das Gelände um die Tanzdiele wurde hergerichtet, die Überdachung entstand, ein Schuppen für die Geräte wurden erbaut. Der Höhepunkt war der Umbau des Kulturraumes. Bis zu Gartenfest am 20.08.1974 sollte alles fertig werden. Mit neuen Tischen und Stühlen konnte am 09.07.1974 die Einweihungsfeier gestaltet werden.
Die lang gehegten Wünsche zur Elektrifizierung konnte 1981/82 in Erfüllung gehen. Alle Gärten konnten mit Stromanschluss versorgt werden.


1985/86 übernahm Gartenfreund Müller den Voritz, er wurde 1987 von der Gartenfreundin Müller (jetzt Lehr) abgelöst.


1988/89 konnten dann auch alle Gartenfreunde mit Brauchwasseranschluss versorgt werden.
Ohne die tatkräftige Hilfe aller Gartenfreunde wären solche Maßnahmen undenkbar gewesen, deshalb an dieser Stelle noch einmal Dank an alle aktiv beteiligten Gartenfreunde für ihre Einsatzbereitschaft.

3. Die „Wende"

Mit der freundlichen Vereinigung der beiden deutschen Staaten kamen natürlich auch viele Veränderungen auf unseren Gartenverein zu.


Die anfänglichen Ängste und Sorgen über die Zukunft unserer Anlage konnten nach und nach ausgeräumt werden. Die Zukunft wurde gesichert. Wir erhielten die Beziehung „e.V.". Dies war in erster Linie der intensiven und zeitaufwendigen Arbeit des Vorstandes und unserer Vorsitzenden Gartenfreundin Lehr zu verdanken. Viele Beschlüsse und Satzungen mussten auf die neuen Bedingungen zugeschnitten werden. Jetzt können wir mit Stolz sagen, dass wir auch diese Hürde in gemeinsamer Arbeit genommen haben.

4. Vom Sinn und Zweck unserer Gartenanlage

Stand in den ersten Jahrzenten die Eigenversorgung mit pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln im Vordergrund, entwickelten sich in den folgenden Jahren unsere Gartenanlage immer mehr auch zu einem Freizeit- und Erholungsgebiet.


Mit dem Bau kultureller Einrichtungen, eines Kinderspielplatzes, der vorhandenen Gaststätte, der Verschönerung der Gärten und des unermüdlichen Einsatzes vieler Gartenfreunde über oft Jahrzehnte hinweg entwickelte sich unsere Gartenanlage auch zu einem Besuchermagnet für viele Schkeuditzer und ihre Gäste.
Die meisten Gärten sind schmuck anzuschauen und zeugen vom Fleiß ihrer Besitzer. Der körperliche Ausgleich zur Arbeit, das Bedürfnis nach Entspannung und Erholung in ruhiger naturbelassener Umgebung, aber auch die Geselligkeit und das Zusammensein unter Gleichgesinnten machen heute den Charakter unserer Anlage aus. Dass dabei auch „eigene Ernte" eingefahren und die „Haushaltskasse" entlastet wird, sollte natürlich nicht vergessen werden.


Die Beschäftigung mit der Natur, das Anlegen von Kleinstbiotopen in den Gärten bereichern unser Leben und geben uns ein Gefühl von Stolz für das Erreichte und Harmonie mit der Natur.


Hoffen wir, dass diese Freude und dieser Stolz auf das Geschaffene auch für zukünftige Generationen in unserer Anlage erhalten bleiben.




Schkeuditz, Frühjahr 1998
Zum 50jährigen Bestehen
Der Gartenanlage „Elsteraue95" e.V.


Wir bitten um Verständnis, dass hier leider Schluss ist. Wir bemühen uns die Chronik schnellstmöglich weiterzuführen.

5. Anhang

Zusammengestellt von Gartenfreund Polke


Quellen:



Auf einen Blick


1948            Grabeland
1949            Anschluss an Sparte „EV 14"
1954            eigene Anlage „Elsteraue 95"
                     Hochwasser
1957            Fertigstellung Kantine
                     1. Wasseranschluss
1960            Bau Hochwasserdamm
1961/62      Umbau Kantine
                     Bau des Wasserwerkes
1965            Wasserleitung ins Spartenheim
1966            Vorstandszimmer errichtet
1967            Tanzdiele
1968            Anlage wird Wasserschutzzone
1969            Fertigstellung Wasserwerk
                     Asphaltierung der Zufahrtsstraße
1972            Nummerierung der Gärten
                     Pachtverträge
1974           15 neue Gärten auf der Apfelwiese
                     Überdachung Tanzdiele
                     Fertigstellung des neuen Spartenraumes
1981/82      Elektrifizierung
1988/89      Brauchwasserversorgung
                    „Wende"

 
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